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Wefox-Marketingvorstand Huber: „Müssen in Deutschland die nächste Stufe zünden“

Das Berliner Start-up Wefox ist eines der erfolgreichsten Insurtech-Unternehmen Europas. Als Ärmelsponsor bei Union Berlin konnte der Digitalversicherer seine Bekanntheit zuletzt erheblich steigern – doch die Ambitionen sind größer. Marketingvorstand Alexander Huber erklärt im Video-Interview mit SPONSORs, wie Wefox weiter wachsen und noch stärker im Sponsoring aktiv werden will.

Seit seiner Gründung 2015 hat Wefox eine erstaunliche Erfolgsgeschichte vorzuweisen. Nur sechs Jahre nach Markteintritt ist das Insurtech-Unternehmen mit Sitz in Berlin über drei Milliarden Dollar wert. Im Vergleich zu 2019 entspricht das in etwa einer Verdreifachung. Und die Zeichen stehen weiter auf Wachstum: Anfang 2021 sammelte Wefox 650 Millionen US-Dollar von Investoren ein und stieg damit zu einem der bestfinanzierten Versicherungs-Start-ups in Europa auf. Die Erfolgsformel fußt dabei auf den Säulen Digitalisierung, Automatisierung und künstlicher Intelligenz.

„Unser Geschäftsmodell ist vollständig digital ausgelegt. Wir sind rund um die Uhr für Kunden erreichbar“, erklärt Wefox-Marketingvorstand Alexander Huber im Gespräch mit SPONSORs. Huber gehörte 2015 zu den Gründern des Digitalversicherers One, der seit März dieses Jahres nur noch unter der Dachmarke Wefox Insurance firmiert. Was den Digitalversicherer laut Huber von konventionellen Versicherern besonders unterscheidet: „Einen sehr großen Teil aller Anliegen können wir sofort lösen. Unabhängig von Uhrzeit oder Wochentag.“

Jährliche Umsatzverdopplung seit Gründung

Vom Einreichen eines Schadenfalls bis zur Auszahlung sei die Geschwindigkeit der Bearbeitung neben einer unbürokratischen Abwicklung ein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Vieles im global betrachtet billionenschweren Versicherungsmarkt laufe noch immer analog ab, erklärt Huber. Wefox hingegen könne inzwischen sogar über 80 Prozent seiner Geschäftsprozesse ohne menschliche Interaktion abwickeln. „An einen komplett digitalen Abschluss glauben wir allerdings nicht. Dafür ist das Thema Versicherungen zu komplex und zu beratungsintensiv“, sagt Huber.

Mit dem Vertrieb eigener Policen und dem provisionsbasierten B2B2C-Modell als Vermittler zwischen Versicherern und Kunden erzielte das Unternehmen im vergangenen Geschäftsjahr einen Umsatz von 140 Millionen Euro. Seit Gründung habe sich der Umsatz „jedes Jahr verdoppelt“, sagt Huber. Für 2021 liegen die Zielvorstellungen sogar bei 350 Millionen. Bis zum Jahr 2030 will Wefox laut dem Marketingvorstand „einer der dominanten Player im Versicherungsmarkt“ werden. Um Wefox im deutschsprachigen Raum bekannt zu machen, hat Huber früh auf die Vorteile einer Sponsoring-Partnerschaft gesetzt.

Zur Saison 2019/20 stieg Wefox – damals noch unter dem Namen One Insurance – als Ärmelsponsor bei Union Berlin ein. Der Vertrag läuft laut SPONSORs DATA noch bis 2022, und der Digitalversicherer lässt sich sein Engagement bei den Eisernen rund 600 000 Euro per annum kosten. Wie effektiv diese Partnerschaft ist, wurde besonders nach dem Ausbruch der Pandemie deutlich. „Wir haben damals alle anderen Marketing-Aktivitäten gestoppt und festgestellt, dass allein das Sponsoring für einen erheblichen Anstieg unserer Markenbekanntheit gesorgt hat“, erzählt Huber. Das Ziel der Partnerschaft ist aber deutlich weiter gefasst, als nur zu einer Erhöhung der Brand Awareness beizutragen.

„Ärmel-Sponsoring wird auf Dauer nicht reichen“

Gerade für einen Versicherer sei der Aufbau von Vertrauen zu seinen Kunden elementar. „Man kann schon sagen, dass es ein Trust-Faktor ist, Sponsor eines Fußball-Bundesligisten zu sein. Sportsponsoring hat etwas Nachhaltiges, was Digitalmarketing nicht hat“, sagt Huber. Das Sponsoring-Engagement wurde wegen der positiven Erfahrungen mit Union Berlin inzwischen sogar erweitert: Zur aktuellen Saison 2021/22 ist Wefox als Premiumpartner (zweite Ebene) beim Schweizer Serienmeister Young Boys Bern eingestiegen. Im Idealfall erzielt Wefox bei einer möglichen Qualifikation der Young Boys für die Champions League und dem Weiterkommen von Union Berlin in der neu eingeführten Conference League zusätzlich internationale Reichweiten.

„Wir fahren aktuell sehr gut damit, regional einzelne Fußballvereine zu unterstützen. Eine globalere Lösung ist erst ab 2023 oder 2024 geplant“, kündigt Huber einen Strategiewechsel für die Zukunft an. Die Ziele des Unternehmens, das bereits in einige europäische Staaten expandiert hat und international weiter wachen möchte, bleiben jedenfalls auch im Sponsoring ambitioniert. „Wir müssen in Deutschland die nächste Stufe zünden, das ist klar. Ein Ärmel-Sponsoring allein wird auf Dauer nicht reichen. Wir wollen mehr“, sagt Huber. Ansprechpartner bleibe trotzdem auch Union Berlin. Die bisherige Partnerschaft über das Ärmel-Sponsoring endet im kommenden Sommer. Die ersten Gespräche über eine Ausweitung des Engagements wurden aber bereits geführt.

Foto: Wefox

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