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Millionendeal und LEC-Ausstieg: „Der eSport auf Schalke wird nicht verschwinden“

Jetzt ist es fix: Der FC Schalke 04 hat für 26,5 Millionen Euro seinen Startplatz in der höchsten europäischen League-of-Legends-Liga (LEC) verkauft. Zu groß seien die wirtschaftlichen Herausforderungen für den Hauptverein in der 2. Bundesliga, sagt Claudio Kasper, Managing Director der ausgegliederten eSport-Sparte des FC Schalke, im SPONSORs-Interview. Damit verlieren die „Königsblauen“ ihr strategisches USP im eSport und ein wirklich erfolgreiches Diversifizierungsprojekt.

SPONSORs: Herr Kasper, warum hat sich der FC Schalke 04 dazu entschieden, den äußerst lukrativen LEC-Spot zu verkaufen?

Kasper: Die Entscheidung ist natürlich wesentlich getrieben von zwei Rahmenbedingungen: Zum einen durch die globale Pandemie mit signifikanten Einbußen bei den Umsatzerlösen heute und zum anderen durch den sportlichen Abstieg unserer Fußballer in die 2. Bundesliga, welcher negative Konsequenzen auf künftige Erlösströme hat. Grundsätzlich führt das dazu, dass die Gesamtgruppe eine Kapitalinjektion benötigt, um das Kerngeschäft Fußball in der 2. Bundesliga erfolgreich zu gestalten.

SPONSORs: Verfügt Schalke 04 nicht über genügend stille Reserven, um den Wiederaufstieg ohne den Verkauf der LEC-Lizenz zu realisieren?

Kasper: Fakt ist, dass auch unsere stillen Reserven wie Kaderwert oder Rechte durch die pandemische Situation temporär massiv beeinflusst sind. Da der eSport nicht direkt auf das Kerngeschäft Fußball einzahlt, mussten wir die schwierige Entscheidung treffen, den LEC-Slot zu verkaufen.

SPONSORs: Wer ist der Käufer und wie hoch ist die Verkaufssumme?

Kasper: Der Käufer ist Team BDS. Eine aufstrebende Schweizer eSport-Organisation, die genau wie wir auf die Förderung europäischer Talente setzt. Insgesamt hat Team BDS während des gesamten Verkaufsprozesses den professionellsten Eindruck im Bewerberfeld hinterlassen und dabei gleichzeitig die höchste Transaktionssicherheit geboten. Schlussendlich haben wir uns auf einen Verkaufspreis in Höhe von 26,5 Millionen Euro verständigt – unser Investment wurde damit mehr als verdreifacht. 

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Schalke 04: Die Details zur Franchise-Lizenz im eSport

Der FC Schalke 04 bezahlt acht Millionen Euro für eine Franchise-Lizenz für das Spiel „League of Legends“ – ein beispielloses Investment eines Fußballclubs im eSport. Wie kann sich das Investment für den Fußball-Bundesligisten rechnen? Ein Einblick in das eSport-Geschäftsmodell des FC Schalke 04.

SPONSORs: Wann hat sich Schalke 04 erstmalig mit dem Szenario eines Verkaufs auseinandergesetzt?

Kasper: In einer solchen Krisensituation ist es natürlich die Aufgabe des Managements, verschiedene Handlungsoptionen zu prüfen. Da waren wir als hundertprozentige Tochter des e. V. nach Ausbruch der Pandemie früh mit im Boot und wussten, was auf uns zukommen kann. Als sich auch die sportliche Konstellation in der Fußball-Bundesliga bis zum Winter nicht entspannt hat, haben wir den Prozess im Dezember 2020 angestoßen.

SPONSORs: Der FC Schalke 04 Esports beschäftigt rund 20 Mitarbeiter. Welche personellen Konsequenzen hat der Verkauf des LEC-Slots?

Kasper: Kurzfristig zunächst keine. Wir haben den Summer Split vor der Brust, das Jahr 2021 spielen wir planmäßig in der LEC zu Ende und haben hohe sportliche Ambitionen. Aber natürlich werden wir die kommenden Wochen und Monate intensiv nutzen, um den eSport strukturell für das Jahr 2022 neu aufzustellen. Der Verkauf des LEC-Slots ist ein massiver strategischer Einschnitt. Wir haben unser gesamtes Team früh im Prozess informiert. Jeder ist vorbereitet und wir suchen gemeinsam nach individuellen Lösungen im Anschluss an die Spielzeit. 

SPONSORs: Werden Sie die Aktivitäten in League of Legends (LoL) künftig komplett einstellen?

Kasper: Wir haben hier eine klare Empfehlung: die LoL-Aktivitäten nicht einstellen, sondern im deutschsprachigen Raum an der Prime League teilnehmen. Klar ist aber, dass wir generell unsere Aktivitäten neu denken müssen und natürlich auch zurückfahren werden. Nicht umsonst ist die LEC das professionellste eSport-Produkt in der westlichen Welt. Eins kann ich aber versichern: Der eSport auf Schalke wird nicht verschwinden.

SPONSORs: Der FC Schalke 04 hat 2019 acht Millionen Euro in die Startlizenz der LEC investiert. Wie hat sich das Geschäft seither entwickelt?

Kasper: Unser eSport-Geschäft war von der ersten Minute an ein Investment-Case. Wir wollten ein komplett neues Geschäftsmodell für den Verein entwickeln und nicht bloße Kommunikation oder einen Markentransfer hinbekommen. Uns war dabei immer wichtig, dass dieser Case betriebswirtschaftlich aufgeht. Wenn ich mir unseren ambitionierten Businessplan von 2016 anschaue, kann ich jetzt sagen, dass wir alle Ziele erreicht haben.

SPONSORs: Können Sie das konkretisieren?

Kasper: Konkrete Zahlen möchte ich nicht nennen. Fakt ist aber, dass wir unsere Umsatzerlöse jedes Jahr durchschnittlich verdoppeln konnten. Wir sind der am stärksten wachsende Bereich der Schalke-04-Gruppe. Zudem sind wir EBITA profitabel. Wir haben innerhalb von drei Jahren ein Unternehmen geschaffen, welches mit einem zweistelligen Millionen-Betrag bewertet wird. Nur die wenigsten haben das 2016 vorausgesehen.  

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eSport auf Schalke: Königsblaue Pioniere

Der FC Schalke 04 hat ein eSport-Team gekauft. Die Gründe dafür sind vielfältig, reichen von der mit eingekauften Zielgruppe bis hin zu digitalem Merchandising. Nebenbei sollen die elektronischen Sportler auch bei der Internationalisierung helfen.

SPONSORs: Sie sind erst die zweite eSport-Organisation, die eine solch prominenten Slot verkauft. Der eSport-Clan Echo Fox hatte 2019 seine Lizenz in der amerikanischen LCS aufgrund von Rassismus-Vorwürfen abgeben müssen. Wie kann man sich den Prozess hinter dem Verkauf vorstellen?

Kasper: Ein solcher Verkaufsprozess ist natürlich ein komplexer Vorgang, da es für einen solchen LEC-Slot ja keinen institutionalisierten Marktplatz gibt, wie es beispielsweise die Börse für Aktien ist. Grundsätzlich hat die Geschäftsführung der Esports GmbH den Auftrag bekommen, verschiedenen Handlungsoptionen zu prüfen. Wir haben dann bezogen auf den Slot-Verkauf einen mehrphasigen Verkaufsprozess aufgebaut. Der mit jeder Phase formaler und bindender wurde. Während des Prozesses mussten wir dann natürlich auch Bewerbern absagen. Insgesamt ein Prozess, der viele emotionale Höhen und Tiefen hatte, wie man sich sicherlich vorstellen kann. Der Vorteil eines solchen Prozesses besteht darin, dass sich Käufer und Verkäufer und in unserem Falle auch die Liga über mehrere Phasen näher kennenlernen und sich intensiv miteinander auseinandersetzen müssen. Am Ende steht ein Ergebnis, welches den aktuellen Marktwert einer LEC-Lizenz darstellt und mit dem wir alle sehr zufrieden sein können.

SPONSORs: Können wir nach dem Ausstieg aus der LEC ein verstärktes Investment in die Virtual Bundesliga (VBL) erwarten?

Kasper: Grundsätzlich hat die VBL große Relevanz für uns. Damit können wir die Brücke schlagen zu unserer klassischen Fußballklientel. Wir werden den eSport neu ausrichten. Ich gehe aber stark davon aus, dass Schalke 04 auch künftig seinen Beitrag leisten wird, um die VBL weiterzuentwickeln.

SPONSORs: Vielen Dank für das Gespräch.

Titelfoto: Michal Konkol/Riot Games

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