Petry

Podcast mit Karsten Petry: „Missmanagement und verfehlte Markenführung der Clubs“

Im SPONSORs-Podcast spricht Stammgast Karsten Petry über die Gründe für das Scheitern der Super League und geht mit den Top-Clubs hart ins Gericht. In seiner Rolle als Generalbevollmächtigter der Deutschen Sporthilfe gewährt er zudem einen Einblick in die Förderung der deutschen Olympioniken und spricht über die größte Herausforderung des Sports in der Post-Corona-Zeit.

Es gibt nur wenige Themen, die den Fußball in der jüngeren Vergangenheit so polarisiert haben, wie die Gründung der Super League. Die Idee zwölf europäischer Top-Clubs einen Gegenwettbewerb zur UEFA Champions League zu etablieren, hat für ein regelrechtes Beben im europäischen Fußball gesorgt. Der europäische Fußballverband UEFA drohte mit massiven Sanktionen, während Fans und sogar Spieler der beteiligten Clubs vielstimmig  ihre Ablehnung des Projekts äußerten. Karsten Petry, Generalbevollmächtigter der Deutschen Sporthilfe und ehemaliger Geschäftsführer von Octagon Deutschland, übt deutliche Kritik an den Gründungsclubs: „Es ist eine komplett verfehlte Markenführung.“ Insbesondere Clubs wie der FC Barcelona und der FC Liverpool würden mit „Més que un club“ und „You’ll never walk alone“ ihr eigenes Markenimage konterkarieren: „Das verbrennt jeglichen Markenwert und jegliche Glaubwürdigkeit.“

In der Gründung der Super League sieht Petry den sprichwörtlichen Griff der Clubs nach dem letzten „Strohhalm“ und attestiert den Verantwortlichen ein „absolut desaströses Missmanagement“ in den vergangenen Jahren. Das lässt sich auch an Zahlen belegen: Laut der italienischen Sportzeitung „La Gazzetta dello Sport“ haben die zwölf Gründungsclubs über die Jahre einen Schuldenberg von sage und schreibe acht Milliarden Euro angehäuft. Der neue Wettbewerb hätte am Ende des Tages zu einem „weitermachen wie bisher“ statt einem „daraus lernen“ geführt.

Förderer auch in schwierigen Zeiten

Ein Thema, dass Petry als Generalbevollmächtigten der Deutschen Sporthilfe weitaus mehr beschäftigt als die Super League, sind die am 23. Juli startenden Olympischen Sommerspiele. Insgesamt 4000 Athletinnen und Athleten aus 50 olympischen- und paralympischen Sportarten werden aktuell von der Sporthilfe gefördert. Die Absage im vergangenen Jahr hat für große finanzielle Unsicherheiten aufseiten der Geförderten gesorgt – hängt die Fördersumme doch zum Teil auch von den sportlichen Erfolgen ab. „Wir haben deshalb gesagt: Wir schütten dasselbe aus, als ob die Spiele stattgefunden hätten“, erklärt Petry. Die Summe ist durchaus beachtlich, wie der Generalbevollmächtigte der Sporthilfe verrät: „Das bewegt sich in Richtung von 25 Millionen Euro pro Jahr.“

„Gefahr eine ganze Generation zu verlieren“

Die wahrscheinlich größte Herausforderung für Sportdeutschland ist aktuell den sich vollziehenden Mitgliederrückgang aus den Vereinen aufzuhalten. Jüngst gab DOSB-Präsident Alfons Hörmann bekannt, dass die insgesamt 90 000 Vereine in Deutschland allein im Jahr 2020 eine Million Mitglieder verloren hätten. Dazu könnte „in den ersten Monaten des Jahres nochmals eine ähnliche Größenordnung an Rückgang entstanden sein“, zeichnet Hörmann ein bedrohliches Bild. Der Vereinssport steht seit fast 14 Monaten weitestgehend still. Kinder und Jugendlich können sich nicht mehr in neuen Sportarten probieren.

Petry sieht dadurch die „Gefahr eine ganze Generation zu verlieren“. Das Alternativangebot zu Vereinssport ist heute für Jugendliche mit eSport, Social Media sowie Streamingdiensten weitaus größer als noch vor wenigen Jahren. Petry sieht den Sport deshalb gefordert innovativer zu werden: „Wenn wir nicht die Sportvielfalt und Vereinskultur in Deutschland verlieren wollen, müssen wir neue Produkte und Angebote entwickeln.“

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