Der 3. Liga-Ball. Foto: picture alliance / foto2press

Warum Clubs in der 3. Liga dazu neigen, risikoreich zu wirtschaften

Auch im neunten von elf Jahren zeigt die eingleisige 3. Liga des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) zwei Gesichter: Einerseits steigen Zuschauerzahlen, Einschaltquoten und Umsätze stetig. Andererseits schreibt die Mehrzahl der Clubs weiterhin rote Zahlen. Das Problem ist komplex und einfache Lösungen sind nicht in Sicht. Was Club-Vertreter und DFB-Funktionäre dazu sagen, zeigt diese Bestandsaufnahme.

Die dritte Fußball-Liga eilt von Rekord zu Rekord: In der zurückliegenden Spielzeit strömten erstmals mehr als drei Millionen Zuschauer zu den 380 Spielen in die Stadien der Drittligisten. 947 000 Zuschauer schalteten im Schnitt pro Spieltag bei den Live-Übertragungen aus der 3. Liga ein – ebenfalls ein neuer Rekord. Außerdem gelang es den 20 Clubs, 185 Millionen Euro zu erwirtschaften. So viel wie nie zuvor in der Geschichte der 3. Liga.

Die saisonalen Umsatzentwicklungen sind systemgemäß, wie bei allen Sportligen, stark abhängig von der Qualität der Auf- beziehungsweise Absteiger. Den finanziell größten Sprung machte Deutschlands dritthöchste Spielklasse beispielsweise nach dem Aufstieg von RB Leipzig im Jahr 2013/14. Damals stieg der Gesamtumsatz sprunghaft um knapp 43 Prozent von 125,10 auf 178,65 Millionen Euro. Doch auch ohne vergleichbare Club-Effekte konnte die 3. Liga ihre Umsätze bisher stetig steigern: Im Vergleich der Saisons von 2017/18 zu 2018/19 beispielsweise um gut 20 Prozent von rund 154 auf 185 Millionen Euro.

Der größte Umsatzfaktor ist dabei, wie in den vergangenen Jahren auch, das Sponsoring. Insgesamt setzten die 20 Clubs in diesem Einnahmeblock knapp 70 Millionen Euro um, was durchschnittlich circa 3,5 Millionen Euro pro Club bedeutet. Die größten Treiber sind hier Eintracht Braunschweig, 1860 München und 1. FC Kaiserslautern. Die laufende Spielzeit verspricht zudem noch einmal eine Steigerung der Sponsoring-Umsätze. Denn seit der Spielzeit 2019/20 dürfen die Clubs neben dem zentral vom DFB vermarkteten rechten Trikotärmel nun auch den linken Ärmel selbst vermarkten. 16 der 20 Clubs erlösen in der laufenden Spielzeit durchschnittlich 134 000 Euro über dieses zusätzliche Mandat.

Rekordumsatz vs. Rekordkosten

Doch diese erfreulichen Umsätze reichen bei den meisten Clubs nicht aus, um deren Kosten zu decken. Denn die Aufwendungen der Drittligisten sind in der Saison 2018/2019 mit rund 30 Prozent von 166 auf 216 Millionen Euro ebenfalls stark gestiegen. Der durchschnittliche Gesamtaufwand pro Club liegt damit zum ersten Mal über 10 Millionen Euro. Was einmal mehr dazu führte, dass lediglich 7 von 20 Drittliga-Clubs in der vergangenen Saison ein positives Bilanzergebnis erwirtschaften konnten. Unter dem Strich verzeichnet die Liga somit ein Defizit von 1,5 Millionen Euro pro Club. Ebenfalls ein Rekord und ein weiteres unrühmliches Ergebnis: Seit elf Jahren gibt es die eingleisige 3. Liga des DFB. Davon mussten in neun Saisons mehr Clubs einen Verlust statt einem Gewinn ausweisen.

Bei der jetzt betrachteten Saison 2018/19 stiegen, relativ gesehen, die Kosten im Bereich „Jugend und andere Fußballmannschaften“ am stärksten an. Im Vergleich zur Vorsaison um insgesamt 312 000 Euro mehr, was einer 58 prozentige Steigerung und 848 000 Euro pro Club entspricht. Prozentual ebenfalls stark angestiegen sind die Kosten für „Personal Handel & Verwaltung“. Hier legten die Clubs mit durchschnittlich 952 000 Euro deutlich zu und kamen somit auf einen neuen Höchstwert von insgesamt mehr als 19 Millionen Euro. In wiederum absoluten Zahlen betrachtet, liegt die größte Steigerung in den „Sonstigen Aufwendungen“ (kumuliert 61,9 Millionen Euro Euro). Diese sind insbesondere durch Einmaleffekte in den Verwaltungskosten bedingt wie etwa bei Lizenzierungsverfahren.

Der größte Kostenblock bleibt indes wie üblich „Spieler- und Trainergehälter“. Da unterscheidet sich die 3. Liga weder von den beiden Fußball-Ligen darüber, noch von anderen Profi-Teamsportarten. In der Saison 2018/19 gaben die Drittligisten insgesamt gut 75 Millionen Euro in diesem Bereich aus. Das sind im Mittelwert 3,7 Millionen Euro pro Club, was knapp 35 Prozent der Gesamtkosten entspricht. Eine Steigerung um knapp 20 Prozent im Vergleich zur Vorsaison.

Aufwandsentwicklung in der 3. Liga.
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Aufwandsentwicklung in der 3. Liga. Quelle/Grafik: DFB/SPONSORs
Anzahl der Clubs mit Saisonüberschuss.
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Anzahl der Clubs mit Saisonüberschuss. Quelle/Grafik: DFB/SPONSORs

Saftige Trauben

Ein Grund für die stark ansteigenden Spieler-Gehälter ist eine Art Wettrüsten der Drittliga-Clubs. Mehr denn je sind diese bereit in kickendes Personal zu investieren, um einen Aufstieg in die 2. Bundesliga zu forcieren. Denn dort winken vermeintlich nicht nur mehr Ruhm und Ehre, sondern auch sprunghaft steigende Einnahmen, insbesondere aus dem Medientopf der Deutschen Fußball Liga (DFL). Während der DFB in der 3. Liga gut eine Millionen Euro pro Club aus seinem Medienrechtevertrag mit der Telekom erlöst und gleichmäßig auf alle 20 Clubs verteilt, schüttete die DFL für die laufende Spielzeit zwischen 8 und 26 Millionen an die Zweitliga-Clubs aus. Für nicht wenige Drittligisten würde das eine Steigerung um bis zu 100 Prozent oder mehr bedeuten – vom Gesamtumsatz wohl gemerkt. Unter diesen finanziellen Voraussetzungen gelingt es Clubs offenbar deutlich besser, Gewinne zu erwirtschaften beziehungsweise zumindest keinen Verlust zu machen. Denn zwischen 2015 und 2018 wiesen immer mindestens die Hälfte der Zweitligisten oder mehr eine positive Bilanz aus. 2018 konnten sogar 15 von 18 Clubs einen Überschuss erzielen. Diese saftigen Trauben direkt vor der Nase scheinen für viele Drittligisten zu verlockend – und einige verschlucken sich daran.

Entwicklung Personalaufwand für Spielbetrieb. Quelle/Grafik: DFB/SPONSORs
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Entwicklung Personalaufwand für Spielbetrieb. Quelle/Grafik: DFB/SPONSORs
Verteilung der Ist/Plan Aufwendungen 2018/19.
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Verteilung der Ist/Plan Aufwendungen 2018/19. Quelle/Grafik: DFB/SPONSORs

Mit dem Ziel in die 2. Bundesliga aufzusteigen, gehen viele Drittliga-Clubs nicht selten finanziell ins Risiko. Das erklärt auch die ansteigenden „sonstigen Verbindlichkeiten“, die insgesamt 70 Prozent ausmachen beziehungsweise mit mehr als 113 Millionen Euro auf der Passivseite der Bilanzen stehen. Das bedeutet einen Anstieg um 74 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dahinter stehen oftmals aufgenommene Darlehen, die in der 3. Liga immer mehr an Bedeutung gewinnen. Innerhalb einer Spielzeit stiegen diese Verbindlichkeiten von durchschnittlich 3,4 auf 5,7 Millionen Euro pro Club an. Die Clubs der 3. Liga sind somit zu einem nicht unerheblichen Anteil fremdfinanziert.

Neben Fremdkapital als Darlehen veräußern Drittliga-Clubs immer häufiger auch Anteile an Investoren. Die Rendite ist bei einem Aufstieg von der dritten in die zweite Liga vielversprechend, weil der Return on Invest prozentual auch mal bei 100 Prozent oder darüber liegen kann. Investoren gibt es bereits einige in der 3. Liga: Michail Ponomarew beim KFC Uerdingen sowie Hasan Ismaik bei 1860 München. Beide möchten mit ihren Clubs nach eigener Aussage möglichst schnell auf die große Bühne Bundesliga. Beim 1. FC Kaiserslautern hat sich zudem der luxemburgische Investor Flavio Becca mit ähnlichen Ambitionen in Stellung gebracht, die Verhandlungen mit dem Club laufen allerdings noch. Und auch beim FSV Zwickau benötige man nach eigener Aussage zusätzliches Eigenkapital, um „wettbewerbsfähig zu bleiben“, erklärt Tobias Leege, Vorstandssprecher des FSV Zwickau, gegenüber dem MDR. 49 Prozent der Anteile wolle der FSV im Zuge einer Ausgliederung der Profis in eine GmbH veräußern.

Dass eine Finanzierung über Fremdkapital nicht immer eine nachhaltige Lösung finanzieller Engpässe darstellt, zeigt die jüngere Vergangenheit in der 3. Liga. Gleich mehrere Clubs mussten Insolvenz anmelden. Im Jahr 2016/17 erwischte es VfR Aalen und FSV Frankfurt und eine Saison später waren es dann FC Chemnitz und Rot-Weiß Erfurt. Zuletzt stemmte sich der 1. FC Kaiserslautern gegen eine drohende Insolvenz und Lizenzverlust. Nur durch den Verkauf von Anteilen im Wert von drei Millionen Euro konnte dies verhindert werden.

Drei Kernprobleme

Die 3. Liga kann für sich in Anspruch nehmen, sich in vielen Bereich seit Jahren positiv zu entwickeln. Doch die mehrheitlich negativen Wirtschaftsergebnisse der Drittligisten sind mehr als nur ein Stein im Schuh. Weder Clubs noch DFB sind damit zufrieden. Doch die Lage ist komplex, einfache Antworten gibt es daher nicht. Aus Gesprächen mit Verantwortlichen von Drittligisten sowie Auf- und Absteigern der zurückliegenden Jahre lassen sich aber immerhin drei übergeordnete Kritikpunkte zusammenfassen, die von Clubs vermehrt genannt werden.

  • Aufteilung der Fernsehgelder

Eine vermeintliche Ungleichverteilung der TV-Gelder sorgt bei den Drittligisten für die vielleicht größten Sorgenfalten auf der Stirn. Während in der 3. Liga jeder Verein pro Saison pauschal circa 1,1 Millionen Euro erhält, liegt das Minimum in der 2. Liga bei rund 8 Millionen Euro und kann abhängig vom Tabellenplatz und Mehrjahresranking stark ansteigen. „Diese Verteilungsregelung macht hinsichtlich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit deutscher Spitzenclubs Sinn, geht aber zu Lasten der ‚kleinen‘ Vereine“, moniert, stellvertretend für einige Drittliga-Clubs, Ingo Wald. Der Vorstandsvorsitzender des MSV Duisburg stieg mit seinem Club letzte Saison in die 3. Liga ab.

Der 1. FC Magdeburg stößt ins selbe Horn: Mario Kallnik, Geschäftsführer beim FCM und Vertreter der Vereine im Ausschuss 3. Liga, ist der Meinung, dass die von der DFL zentral verteilten Gelder an die 2. Liga differenzierter verteilt werden sollten. Damit könnten die Zweitligisten „immer noch gut leben“ und die 3. Liga würde wirtschaftlich tragfähiger. Kallnik: „Wenn wir in der vergangenen Zweitliga-Spielzeit sechs anstatt acht Millionen Euro Fernsehgelder erhalten hätten, wäre das überhaupt kein Problem gewesen.“ Kallnik ist sich der Wirkung seiner Aussage durchaus bewusst, ist sich aber auch sicher, dass der Aufschrei bei Zweitligisten nur von kurzer Dauer wäre: „Die Zweitliga-Clubs werden schnell merken, dass die Fallhöhe bei einem etwaigen Abstieg in die 3. Liga nicht so groß wäre und bei der Ausgeglichenheit der 2. Liga könnte dies so gut wie jeden Club treffen.“

Für DFB-Vertreter Manuel Hartmann, Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen und Wettbewerbe, ist diese Argumentation nur bedingt nachvollziehbar. Er plädiert einerseits für einen „vernünftigeren“ Umgang mit den Mehreinnahmen in der 2. Bundesliga. Uns sind auch Beispiele von Clubs bekannt, die Teile der Mehreinnahmen nach einem Aufstieg auf die Seite gelegt haben, um im Abstiegsfall darauf zurückgreifen zu können. Nach unserer Auffassung ist wirtschaftliche Vernunft essenziell“, so Hartmann. Anderseits möchte der DFB aber auch die wirtschaftlichen Grundlagen für die Vereine in der 3. Liga mittel- und langfristig weiter verbessern. „Ganz klar“, betont Hartmann, „hier sind wir alle gefragt und gemeinsam in der Verantwortung. Die Steigerung der Einnahmen ist jedoch nicht der einzige Weg. Der DFB kann auch nicht einfach zusätzliche Fördergelder an die Clubs der 3. Liga ausschütten, das lassen die Struktur des Verbandes und die rechtlichen Vorgaben nicht zu.“

Die Gesprächspartner (V.l.n.r.): Ingo Wald, Vorstandsvorsitzender MSV Duisburg, Manuel Hartmann, Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen & Wettbewerbe, Mario Kallnik, Geschäftsführer 1. FC Magdeburg, Tom Eilers, Vorsitzender Ausschuss 3. Liga und Bestellter Vertreter für Lizenzspielerbereich bei SV Darmstadt
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Die Gesprächspartner (V.l.n.r.): Ingo Wald, Vorstandsvorsitzender MSV Duisburg, Manuel Hartmann, Abteilungsleiter Spielbetrieb Ligen & Wettbewerbe beim DFB, Mario Kallnik, Geschäftsführer 1. FC Magdeburg, Tom Eilers, Vorsitzender Ausschuss 3. Liga und Bestellter Vertreter für Lizenzspielerbereich bei SV Darmstadt.
  • Strukturkosten sind zu hoch

Ein anderes Grundsatzproblem der 3. Liga sind die Strukturkosten, die stetig steigen – zwischen 2015 und 2019 um insgesamt knapp 10 Millionen Euro. Mit 2,17 Millionen Euro pro Club erreichte dieser Kostenpunkt in der Spielzeit 2018/2019 einen neuen Spitzenwert. Bedingt ist dies auch durch die kostenintensiven infrastrukturellen Maßnahmen, die Clubs bei einem Aufstieg in die 2. Bundesliga vornehmen müssen, um eine Lizenz zu erhalten. Denn diese lassen sich bei einem Abstieg in die 3. Liga nicht wieder abschaffen. Das schmerzt insbesondere bei Clubs mit modernen Stadien.

Eine Problematik, die dem DFB nicht unbekannt ist. „Es ist definitiv ein Problem auf der Fixkostenseite, wenn Drittliga-Clubs ein Stadion haben, das für die Bundesliga gebaut beziehungsweise umgebaut wurde und in jedem Fall betrieben werden muss“, sagt Hartmann. Der DFB-Mann hebt allerdings auch den Vorteil von größeren Stadien hervor, somit einen höheren Zuschauerschnitt erzielen zu können. Unterm Strich räumt aber auch Hartmann ein: „Die grundsätzliche Schwierigkeit ist nicht wegzudiskutieren.“

  • Kaum Mitspracherecht

Der dritte Hauptkritikpunkt, der von Drittligisten genannt wird, bezieht sich auf die Weiterentwicklung der 3. Liga durch eine Mitbestimmung der Clubs. Hier sieht FC Magdeburg-Chef, Mario Kallnik, grundlegende Probleme: „Es wurde jetzt im ersten Schritt ein Ausschuss für die 3. Liga innerhalb des DFB gegründet. Dennoch klafft eine große Lücke in der strukturellen Einbindung der 3. Liga gegenüber der 1. und 2. Bundesliga. Dort haben Clubs innerhalb der DFL GmbH ein Mitbestimmungsrecht als Gesellschafter und können somit ihre Interessen demokratisch durchsetzen.“ Entsprechend solle auch die dritte Profiliga in Deutschland im nächsten Schritt durch eine tiefergreifendere Verankerung innerhalb des DFB eine offizielle Anerkennung als Lizenzliga erfahren. Die Abhängigkeit der Drittligisten gegenüber den regionalverbandspolitischen Interessensvertretern sei trotz Ausschuss immer noch „viel zu groß und eine ernsthafte Bedrohung einer sportlich funktionierenden Struktur innerhalb der drei Profilligen und somit für den deutschen Fußball insgesamt“, meint Kallnik. Er findet: „Eine Profiliga, wie die 3.Liga, sollte ihre Interessen zukünftig unabhängig und selbst vertreten, genau wie es die Bundesliga und die 2. Liga innerhalb der DFL GmbH handhaben.“

Der DFB widerspricht dem. Hartmann stellt klar, dass eine Mitbestimmung ähnlich der Erst- und Zweitligisten innerhalb der Verbandsstrukturen des DFB nicht möglich und dafür eine Lösung vom Verband hin zur Eigenverantwortlichkeit oder Integrierung in die DFL nötig sei: „Es ist richtig, dass die 3. Liga ein Teil des Gesamtkonstrukts des DFB ist. Das hat Vor- und Nachteile. Die 3. Liga ist ein sehr wichtiges Thema beim DFB, aber sie steht nicht über allen anderen Themen. Auf der anderen Seite profitiert die Liga auch von dem System, weil sie unter dem starken Dach des DFB Möglichkeiten hat, die sie alleine momentan nicht hätte.“ Hartmann nennt hier beispielsweise die Gesamtvermarktung der TV-Rechte, die Liga-Partnerschaft mit bwin sowie ein umfassendes Know-How des DFB und ist sich sicher, dass die Clubs diese Vorteile auch zu schätzen wüssten. Grundsätzlich sei es ja möglich, eine Eigenständigkeit der 3. Liga zu fordern. Doch diese Tendenzen gebe es aus gutem Grund nicht. „Uns wurde von der klaren Mehrheit der Clubs mitgeteilt, dass die bestehenden Vorteile in der 3. Liga mögliche Nachteile eindeutig überwiegen und das ist auch unsere Auffassung. Der Ausschuss 3. Liga ist der nächste Schritt, die Position der 3. Liga zu stärken,“ so Hartmann.

Gedankenspiele

Aber wie geht es nun konkret weiter? Kann beispielsweise der jüngste Vorstoß von Oliver Bierhoff, die 3. Liga wieder aufzuteilen, ein Lösungsansatz sein? Verantwortliche des DFB sehen derzeitig keine Veranlassung, die Liga-Struktur umzustellen – weder vor dem wirtschaftlichen Hintergrund noch unter sportlich-inhaltlichen Aspekten, sagt DFB-Sprecher Hartmann und ergänzt: „Dennoch hat der Ausschuss 3. Liga Bierhoffs Denkanstoß aufgegriffen und wird diesen demnächst gemeinsam mit ihm diskutieren.“

Tom Eilers, Vertreter für Lizenzspielerbereich beim SV Darmstadt und Vorsitzender des neuen Ausschusses 3. Liga, bewertet den Vorschlag von Oliver Bierhoff ebenfalls eher als unglücklich. Die 3. Liga stelle ein authentisches Fußballerlebnis dar, das unbedingt in dieser Form erhalten werden müsse. Dann, sagt Eilers, ließen sich insbesondere die Umsätze aus der Medienrechtvermarktung künftig weiter steigern. Auch Eilers macht das Problem bei einer ansonsten „tollen Entwicklung der 3. Liga“ grundsätzlich im wirtschaftlichen Bereich aus. Hier könne man die Frage nach einem Solidaritätsprinzip zwischen den DFL-Ligen und der 3. Liga sicherlich stellen, meint Eilers. Schließlich gebe es sportlich kaum Unterschiede und das Risiko abzusteigen betreffe aufgrund der Ausgeglichenheit der Liga von Saison zu Saison mehr Zweitligisten. Deshalb regt Eilers an, den Dialog zwischen Clubs, Ausschuss, DFB und DFL zu intensivieren.

Auf die Frage, ob die 3. Liga unter dem Dach des DFB immer noch richtig aufgehoben ist, antwortet Eilers: „Wenn die Ausgliederung der Profiligen vom DFB nicht im Jahr 2001, sondern heute ablaufen würde, wäre die 3. Liga sicherlich dabei. Denn sie ist ohne Zweifel eine Profiliga.“